In Bogotá fallen jährlich Millionen Tonnen Bau- und Abbruchmaterial an — doch wie viel davon Holz ist, wo es anfällt, in welchem Zustand und wie es heute verwertet wird, erfasst niemand systematisch. Genau das kartieren wir: Ströme, Typologie und die höherwertigen Verwertungswege, die das auffindbare Material zulässt.
Arbeitsstand — laufende Studie, wird fortlaufend ergänztBau- und Abbruchmaterial (RCD — Residuos de Construcción y Demolición) ist der größte Reststoffstrom der Stadt. Der mineralische Anteil (Beton, Ziegel, Asphalt) macht 75–85 % aus und wird zunehmend erfasst. Der nicht-mineralische Rest von 15–25 % enthält das Holz — und genau dieser Teil ist statistisch kaum aufgeschlüsselt.
Quellen: UAESP/SDA Bogotá (2024), bogota.gov.co. Eine eigenständige Mengenangabe für den Holzanteil (t/Jahr) existiert in öffentlichen Daten nicht — sie zu ermitteln ist ein Kernziel dieser Studie.
Das verwertbare Holz der Stadt entsteht nicht an einem Ort, sondern verteilt über vier sehr unterschiedliche Quellen — jede mit eigener Typologie, Qualität und Logistik.
Größtes Volumen. Fällt direkt auf Baustellen und bei Abrissen an.
Viele kleine Betriebe (Ebanisterías), oft informell.
Paletten, Kisten und Umreifungen aus Logistik und Produktion.
Nebenprodukte aus der Holzverarbeitung in der Stadtperipherie.
Das meiste Altholz fällt heute auf die niedrigen Stufen der Verwertung — oder ganz heraus. Wert, der im Material steckt, geht dabei verloren.
| Heutiger Weg | Wer / wo | Was mit dem Wert passiert |
|---|---|---|
| Deponie (Doña Juana) | UAESP | Totalverlust — der größte Teil endet hier |
| Brennholz / Energie | informelle Sammler, Haushalte | Material wird verbrannt — starker Wertverlust |
| Spanplatte / Aglomerado | Plattenindustrie | Downcycling zu nicht-tragendem Produkt, ohne Zertifikat |
| Kunststoffholz-Verbund | spezialisierte Verarbeiter | anderes Qualitätssegment, nicht tragend |
| Kompost | einzelne Entsorger | nur für sauberes, unbehandeltes Holz |
| Direkte Wiederverwendung | informeller Markt | selektiv, undokumentiert, ohne Qualitätsnachweis |
Nicht jeder Strom kann auf dieselbe Stufe zurück. Entscheidend sind Zustand, Dimension, Holzart und Kontamination des auffindbaren Materials. Aus der Typologie ergibt sich, wie hoch ein Stück wieder einsteigen kann — das Ziel ist, jeden Strom auf seine höchstmögliche Stufe zu heben statt ihn pauschal zu schreddern oder zu verbrennen.
Intakte Bauteile in passender Dimension — höchster erhaltener Wert, kleinste Eingriffstiefe.
Vollholz mit ausreichender Qualität, das sich aufbereiten und zertifizieren lässt — zurück in den hochwertigen Bau.
Material, das nicht tragend zurückkann (Platten, Verbund, stärker kontaminiert) — Plattenwerkstoff statt Verlust.
Nur sauberes Restholz, das keinen höheren Weg mehr zulässt — letzte Stufe vor der Deponie.
| Strom | Typische Typologie | Realistisch höchste Stufe |
|---|---|---|
| Bau- & Abbruchholz | Latten, Balken, Rahmen; teils kontaminiert, feucht | Stufe 1–2 nach Selektion und Reinigung |
| Handwerk & Tischlerei | saubere Vollholz-Reste, kleine Mengen | Stufe 2, sehr gut geeignet |
| Industrie & Verpackung | Standarddimensionen, Herkunft prüfen | Stufe 1–2 bei geklärter Herkunft |
| Sägewerke & Forst | Schwarten, Späne, variables Format | Stufe 3–4 |
Die Zuordnung ist eine erste Einschätzung. Die tatsächlich nutzbare Quote je Strom — und damit das wirtschaftliche Potenzial — wird in der physischen Materialanalyse ermittelt.
Die offenen Punkte werden nicht am Schreibtisch, sondern durch physische Analyse des Materials beantwortet. Das ist der Kern der nächsten Phase.
Die Regulierung zeigt bereits in die richtige Richtung: Die nationale RCD-Verordnung (Resolución 1257/2021) schreibt eine klare Hierarchie vor — Wiederverwendung vor Recycling vor Energie vor Deponie. Bogotás Decreto 507/2023 setzt zirkuläre Ziele für die Bauwirtschaft und treibt die Nachfrage nach zertifizierten Sekundärmaterialien. Unsere Arbeit setzt genau an der Spitze dieser Hierarchie an — dort, wo heute am wenigsten passiert.
Diese Bestandsaufnahme ist die Grundlage für die nächste Phase: die physische Materialanalyse in Bogotá. Wenn Sie aus Stadt, Forschung, Bauwirtschaft oder Förderung an diesem Thema arbeiten — sprechen wir.
Gespräch vereinbaren Zur StartseiteDiese Seite ist ein Arbeitsstand. Zahlen sind quellbelegt oder als Annahme/Schätzung gekennzeichnet; markierte Lücken sind bewusst offen und Gegenstand der laufenden Analyse. Genannte Marktteilnehmer dienen der Einordnung der Landschaft und implizieren keine Zusammenarbeit.
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