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Forschung · Bestandsaufnahme

Wohin geht das Altholz
von Bogotá?

In Bogotá fallen jährlich Millionen Tonnen Bau- und Abbruchmaterial an — doch wie viel davon Holz ist, wo es anfällt, in welchem Zustand und wie es heute verwertet wird, erfasst niemand systematisch. Genau das kartieren wir: Ströme, Typologie und die höherwertigen Verwertungswege, die das auffindbare Material zulässt.

Arbeitsstand — laufende Studie, wird fortlaufend ergänzt
Der Rahmen

Ein großer Strom — mit einem blinden Fleck

Bau- und Abbruchmaterial (RCD — Residuos de Construcción y Demolición) ist der größte Reststoffstrom der Stadt. Der mineralische Anteil (Beton, Ziegel, Asphalt) macht 75–85 % aus und wird zunehmend erfasst. Der nicht-mineralische Rest von 15–25 % enthält das Holz — und genau dieser Teil ist statistisch kaum aufgeschlüsselt.

~12 Mio t
Bau-/Abbruchmaterial (RCD) pro Jahr
~16 %
Verwertungsrate gesamt (NL/Japan > 90 %)
~10 Mio t
verschwinden jährlich ohne Kontrolle
747
kritische Punkte illegaler Ablagerung

Quellen: UAESP/SDA Bogotá (2024), bogota.gov.co. Eine eigenständige Mengenangabe für den Holzanteil (t/Jahr) existiert in öffentlichen Daten nicht — sie zu ermitteln ist ein Kernziel dieser Studie.

Herkunft

Vier Ströme — wo das Altholz herkommt

Das verwertbare Holz der Stadt entsteht nicht an einem Ort, sondern verteilt über vier sehr unterschiedliche Quellen — jede mit eigener Typologie, Qualität und Logistik.

Strom 1

Bau- & Abbruchholz

Größtes Volumen. Fällt direkt auf Baustellen und bei Abrissen an.

  • Schalungsbretter, Balken, Latten, Tür- und Fensterrahmen, Dielen, Verpackungsholz
  • Überwiegend Pinus patula und Eucalyptus
  • Schwerpunkte: Suba, Kennedy, Engativá, Fontibón; hochwertige Projekte in Chapinero/Usaquén
  • Kontamination: Nägel, Betonreste, Farbe, hohe Restfeuchte
Strom 2

Handwerk & Tischlerei

Viele kleine Betriebe (Ebanisterías), oft informell.

  • Zuschnitte, Restlatten, Endholz aus Vollholz
  • Rund 83 % der Betriebe entsorgen oder verschenken ihre Reste
  • Sauber, trocken, selektierbar — aber kleine Mengen je Betrieb
  • Platten- und Verbundwerkstoffe sind hier auszusortieren
Strom 3

Industrie & Verpackung

Paletten, Kisten und Umreifungen aus Logistik und Produktion.

  • Standarddimensionen, gut verfügbar, häufig Pinus
  • Säge- und Fräsabfälle aus der Möbelindustrie
  • Herkunftsstempel beachten (Behandlung von Industriepaletten)
Strom 4

Sägewerke & Forst

Nebenprodukte aus der Holzverarbeitung in der Stadtperipherie.

  • Schwarten/Seitenbretter, Sägemehl, Hobelspäne
  • Bogotá selbst ohne Forst — Versorgung aus Boyacá, Cundinamarca u. a.
  • Format und Qualität schwanken stark; entferntere Quellen
Status quo

Was heute mit dem Holz passiert

Das meiste Altholz fällt heute auf die niedrigen Stufen der Verwertung — oder ganz heraus. Wert, der im Material steckt, geht dabei verloren.

Heutiger WegWer / woWas mit dem Wert passiert
Deponie (Doña Juana)UAESPTotalverlust — der größte Teil endet hier
Brennholz / Energieinformelle Sammler, HaushalteMaterial wird verbrannt — starker Wertverlust
Spanplatte / AglomeradoPlattenindustrieDown­cycling zu nicht-tragendem Produkt, ohne Zertifikat
Kunststoffholz-Verbundspezialisierte Verarbeiteranderes Qualitätssegment, nicht tragend
Komposteinzelne Entsorgernur für sauberes, unbehandeltes Holz
Direkte Wiederverwendunginformeller Marktselektiv, undokumentiert, ohne Qualitätsnachweis
Die Lücke: Kein organisierter Akteur führt Altholz heute wieder auf die Stufe von zertifiziertem, tragendem Bauholz zurück — obwohl ein erheblicher Teil des Materials genau das hergeben würde. Dieser Kreislauf fehlt schlicht.
Die Kernfrage

Was die Typologie hergibt

Nicht jeder Strom kann auf dieselbe Stufe zurück. Entscheidend sind Zustand, Dimension, Holzart und Kontamination des auffindbaren Materials. Aus der Typologie ergibt sich, wie hoch ein Stück wieder einsteigen kann — das Ziel ist, jeden Strom auf seine höchstmögliche Stufe zu heben statt ihn pauschal zu schreddern oder zu verbrennen.

Stufe 1

Direkte Wiederverwendung

Intakte Bauteile in passender Dimension — höchster erhaltener Wert, kleinste Eingriffstiefe.

Stufe 2

Aufwertung zu tragendem Bauholz

Vollholz mit ausreichender Qualität, das sich aufbereiten und zertifizieren lässt — zurück in den hochwertigen Bau.

Stufe 3

Stoffliche Weiterverwertung

Material, das nicht tragend zurückkann (Platten, Verbund, stärker kontaminiert) — Plattenwerkstoff statt Verlust.

Stufe 4

Energie / Kompost

Nur sauberes Restholz, das keinen höheren Weg mehr zulässt — letzte Stufe vor der Deponie.

StromTypische TypologieRealistisch höchste Stufe
Bau- & AbbruchholzLatten, Balken, Rahmen; teils kontaminiert, feuchtStufe 1–2 nach Selektion und Reinigung
Handwerk & Tischlereisaubere Vollholz-Reste, kleine MengenStufe 2, sehr gut geeignet
Industrie & VerpackungStandarddimensionen, Herkunft prüfenStufe 1–2 bei geklärter Herkunft
Sägewerke & ForstSchwarten, Späne, variables FormatStufe 3–4

Die Zuordnung ist eine erste Einschätzung. Die tatsächlich nutzbare Quote je Strom — und damit das wirtschaftliche Potenzial — wird in der physischen Materialanalyse ermittelt.

Vorgehen

Was wir als Nächstes klären

Die offenen Punkte werden nicht am Schreibtisch, sondern durch physische Analyse des Materials beantwortet. Das ist der Kern der nächsten Phase.

  1. Tatsächlicher Holzanteil (t/Jahr) im Bau- und Abbruchstrom (RCD)
  2. Nutzbare Quote: wie viel ist real höherwertig verwertbar?
  3. Dominante Holzarten je Strom
  4. Verteilung von Formaten, Querschnitten und Längen
  5. Lokale Eingangspreise — was zahlen heutige Abnehmer?
  6. Geografische Konzentration: aus welchen Bezirken kommt am meisten?
  7. Saisonalität von Menge und Qualität (Regenzeiten)
  8. Anteil informeller, undokumentierter Ströme
Rahmenbedingungen

Der Rückenwind

Die Regulierung zeigt bereits in die richtige Richtung: Die nationale RCD-Verordnung (Resolución 1257/2021) schreibt eine klare Hierarchie vor — Wiederverwendung vor Recycling vor Energie vor Deponie. Bogotás Decreto 507/2023 setzt zirkuläre Ziele für die Bauwirtschaft und treibt die Nachfrage nach zertifizierten Sekundärmaterialien. Unsere Arbeit setzt genau an der Spitze dieser Hierarchie an — dort, wo heute am wenigsten passiert.

Wir entwickeln das Konzept gerade.

Diese Bestandsaufnahme ist die Grundlage für die nächste Phase: die physische Materialanalyse in Bogotá. Wenn Sie aus Stadt, Forschung, Bauwirtschaft oder Förderung an diesem Thema arbeiten — sprechen wir.

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Quellen & Hinweis

Diese Seite ist ein Arbeitsstand. Zahlen sind quellbelegt oder als Annahme/Schätzung gekennzeichnet; markierte Lücken sind bewusst offen und Gegenstand der laufenden Analyse. Genannte Marktteilnehmer dienen der Einordnung der Landschaft und implizieren keine Zusammenarbeit.

UAESP & SDA Bogotá (2024) · MinAmbiente (2021), Estimación del consumo de madera en Colombia · Fedemaderas (2024), Boletín estadístico forestal · DANE (2023), Cuenta Ambiental de Flujos de Materiales · Observatorio Ambiental Bogotá · CCCS (2025) · bogota.gov.co · Infobae Colombia (2026).

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